ivg.Produktzertifikate

Das ivg.Produktzertifikat als Qualitätsmerkmal für Geokunststoffe hat sich bewährt

Einführung

Die rasche Zunahme der Anwendung von Geokunststoffen in den verschiedensten Anwendungsbereichen des Erd- und Grundbaus in den vergangenen 40 Jahren hat zu einer starken Zunahme der Anbieter in diesen Bereich geführt.
Da Qualitätsunterschiede bei vielen Produkten nicht auf den ersten Blick erkennbar sind und die Auswirkung minderer Qualität sich oft nicht direkt sondern erst Jahre nach  dem Einbau bemerkbar macht, hat der Industrieverband Geokunststoffe e.V. (IVG)  2009 das ivg.Produktzertifikat entwickelt und eingeführt.
Zunächst nur für die Produkte der damals 12 IVG-Mitglieder entwickelt nutzen inzwischen weitere 13 Hersteller und Lieferanten diesen Qualitätsnachweis für ihre Produkte. Im Jahr 2017 wurden 298 ivg.Produktzertifikate ausgestellt. Das ivg.Produktzertifikat ist zum Standard geworden.

 

Grundlagen

Anwendungsnormen sind die Basis für CE Zertifikate mit Leistungserklärungen, ohne die Geokunststoffe und verwandte Produkte  in Deutschland nicht in den Verkehr gebracht werden dürfen. Sie beschreiben die zu prüfenden Eigenschaften, die erforderlich sind, für Geotextilien und verwandte Produkte in verschiedenen Anwendungen.
Die europäischen Normen legen das Konformitätsnachweisverfahren im Anhang ZA fest. Für Geokunststoffe gilt das System 2+, bestehend aus den in der nachfolgenden Tabelle aufgeführten Elementen.

Konformitäts-
nachweisverfahren

Aufgabe des Herstellers Aufgabe der zugelassenen Stelle
2+  

Konformitätserklärung
des Herstellers

- Erstprüfung des Produkts (Typprüfung)

- kontinuierliche WPK

Zertifizierung der WPK aufgrund von

- Erstinspektion des Werkes und der WPK

- laufende Überwachung, Beurteilung und Anerkennung der WPK

 

Regelmäßige Probenahmen und Materialprüfungen werden nach diesem System ausschließlich im Verantwortungsbereich des Herstellers durchgeführt. Im System 2+ gibt es keine feststehenden Anforderungen an die Qualifikation und Kompetenz der Materialprüfstellen.
Um ein höheres Qualitätslevel zu gewährleisten hat der IVG ein System zur freiwilligen Qualitätskontrolle entwickelt und als „Empfehlung für die Durchführung der Überwachung und Zertifizierung von Geotextilien, geotextilverwandten Produkten und Dichtungsbahnen, zugelassen nach dem europäischen Konformitätsnachweisverfahren System 2+“ herausgegeben. In dieser „Empfehlung ..."  wird ein Verfahren festgelegt, nach welchem für bestimmte Eigenschaften eine regelmäßige Probenahme durch die zugelassenen Überwachungsstellen erfolgt. Die Materialprüfung dieser Proben muss in dafür akkreditierten Prüflaboren erfolgen.
Die Prüfergebnisse werden der WPK zugerechnet.

 

Das ivg. Produktzertifikat

Das ivg.Produktzertifikat bestätigt die Übereinstimmung der vom Hersteller in der CE Leistungserklärung angegebenen Werte mit den Werten einer freiwilligen Fremdüberwachung auf Basis der „Empfehlung ... ".

Erstinspektion
Für die Zertifizierung des Systems der werkseigenen Produktionskontrolle im Sinne der zu Grunde liegenden europäischen Norm (Anhang ZA) wird eine Erstinspektion ausgeführt. Diese Erstinspektion umfasst die Überprüfung der werkseigenen Produktionskontrolle und die Probenahme aller Standardprodukte. Daran sind alle Eigenschaften zu prüfen, auf die der Hersteller in seiner Dokumentation zur werkseigenen Produktionskontrolle (CE Leistungserklärung) für die entsprechenden Geokunststoffe Bezug nimmt und für die er Eigenschaftskennwerte angibt.
Die Materialprüfung erfolgt in eigens dafür akkreditierten Prüflaboren.

Laufende Überwachung
Die laufende Überwachung wird halbjährlich durchgeführt. Die Anzahl der Überwachungen kann von halbjährlich auf 1 x pro Kalenderjahr reduziert werden in Übereinstimmung mit den Anforderungen im Merkblatt M Geok E, Anhang Anlage A 1.2 (Ausgabe 2016). Der Umfang der Prüfungen sowie die zu prüfenden Eigenschaften sind in den entsprechenden Anwendungsnormen produktspezifisch festgelegt.

 

Ergebnis

Nur Produkte, die diese freiwillige Überwachung durchlaufen und die hohen qualitativen Anforderungen erfüllen, erhalten das ivg.Produktzertifikat und dürfen das ivg.Produktqualitätszeichen oder ivg.Gütesiegel tragen.
Besonderer Vorteil für den Geltungsbereich der „Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Erdarbeiten im Straßenbau", ZTV E Stb 17 (erstmals ZTV E Stb 09):
„Die Baustoffeingangsprüfung (Punkt 3) kann entfallen, wenn seitens des Herstellers/Lieferanten des zu liefernden Produktes eine der Baustoffeingangsprüfung gleichwertige Überwachung vorgelegt werden kann.“
Das ivg.Produktzertifikat wird als eine der Baustoffeingangsprüfung gleichwertige Überwachung anerkannt. Mit Vorlage des ivg.Produktzertifikats entfällt die Baustoffeingangsprüfung für den Geltungsbereich der ZTV E Stb.

 

Kosten

Firmenbezogene einmalige Eintrittsgebühr beim 1. Produktzertifikat                     1.000,00 €
Für 1 – 5 Zertifikate pauschal     500,00 €
Für jedes weitere Produktzertifikat          100,00 €

Zu zahlen an den IVG.
Prüfkosten werden zusätzlich von den Prüfinstituten je nach Prüfumfang berechnet.    

 

Gültigkeitsdauer

Das ivg.Produktzertifikat bleibt maximal ein Jahr ab Ausstellungsdatum gültig oder bis es von der Zertifizierungsstelle für ungültig erklärt wird. Es erlischt sofort wenn maßgebenden technischen Spezifikationen und/oder die Bedingungen der Herstellung des Bauproduktes geändert werden.

 

Übersicht Anwendungen und Normen

Das ivg.Produktzertifikat kann als Qualitätsnachweis  für alle nachfolgend angegebenen Anwendungen eingesetzt werden. Ausgenommen ist die  Zertifizierung  für den Einsatz „beim Bau von Fahrbahndecken und Asphaltdeckschichten“ nach DIN EN 15381:2008,  da genormte Prüfverfahren noch fehlen.

 

Geotextilien und verwandte Produkte

Eigenschaften, die erforderlich sind für die Anwendung

•  beim Bau von Straßen und sonstigen Flächen  DIN EN 13249:2016
•  beim Eisenbahnbau     DIN EN 13250:2016
•  in Erd- und Grundbau sowie Stützbauwerken    DIN EN 13251:2016
•  in Dränanlagen DIN EN 13252:2016
•  in externen Erosionsschutzanlagen   DIN EN 13253:2016
•  beim Bau von Rückhaltebecken und Staudämmen                                        DIN EN 13254:2016
•  beim Kanalbau DIN EN 13255:2016
•  im Tunnelbau und in Tiefbauwerken    DIN EN 13256:2016
•  bei der Entsorgung fester Abfallstoffe DIN EN 13257:2016
•  zum Einschluss flüssiger Abfallstoffe DIN EN 13265:2016

 

Geosynthetische Dichtungsbahnen

Eigenschaften, die erforderlich sind für die Anwendung beim Bau von

•  Rückhaltebecken und Staudämmen DIN EN 13361:2006
•  Kanälen DIN EN 13362:2005
•  Tunneln und Tiefenbauwerken DIN EN 13491:2006
•  Deponien, Zwischenlagern und Auffangbecken für flüssige Abfallstoffe         DIN EN 13492:2006
•  Deponien, Zwischenlagern und Auffangbecken für feste Abfallstoffe DIN EN 13493:2005
•  Verkehrsbauten DIN EN 15382:2013



Fazit

Hersteller, deren Produkte der freiwilligen Überwachung entsprechend den „Empfehlungen…“ des IVG unterliegen, können diese Produkte mit einem ivg.Qualitätssiegel kennzeichnen und liefern zusammen mit der CE-Kennzeichnung ein Produktzertifikat.
Dem Auftraggeber wird die Einhaltung der im Produktdatenblatt (CE-Begleitdokument) angegebenen Eigenschaften garantiert. Für den Auftragnehmer entfallen kostenintensive Nachweise für die Baustoffeingangsprüfung.
Alle aktuell gültigen ivg. Produktzertifikate und weitere ausführliche Informationen finden sie auf der ivg.homepage unter http://www.ivgeokunststoffe.de/ivg-produktzertifikate.